Stolpern über die Geschichte in unserem Viertel

Die Idee der Stolpersteine ist nicht neu. Sie sollen erinnern, was vor mehr als 70 Jahren hier in Deutschland geschah. Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma wurden am 9. November 1938 – der Reichspogromnacht – durch die Straßen gejagt, ihre Geschäfte zerstört, ihre Wohnungen geplündert. Sie selbst wurden deportiert in die Vernichtungslager der Nazis. Aus den Geschichtsbüchern sind diese grausamen Zeiten bekannt. Geschichte besteht aber auch aus ganz persönlichen Geschichten. Und so zogen einige Menschen aus unserer AnwohnerInneninitiative am Morgen des 9. November 2017 los, um eben die Stolpersteine in unserem Viertel zu putzen. Sie sollten wieder sichtbar werden, sie sollten Anlass sein, über das nachzudenken, was damals geschah. In der August-Bebel-Straße lebte Rosalie Levi mit ihrer Tochter Leonie. Cäsar und Adele Salomon wohnten am Harz 18, Wilhelm Siegmund Lewin in der August-Bebel-Straße. Sie alle wurden in der Pogromnacht Opfer des Nazi-Terrors. In der Neumarktstraße lebte Rosita Kessler, damals gerade mal 6 Monate alt, mit ihren Eltern. Sieben Stolpersteine erinnern vor dem Haus an die Geschichte zweier Familien. Versteckt unter dem Sperrmüll des Hauses wären sie um ein Haar ein 2. Mal verloren gewesen. Diese Vorstellung war für uns ein trauriger Gedanke. Ein zweiter Versuch brachte sie dann ans Tageslicht. Und wir waren irgendwie froh, sie doch noch entdeckt zu haben. Uns alle hat vor allem diese kleine Geschichte gerührt. Es ist und bleibt unbegreiflich, zu welcher Brutalität und Kälte Menschen fähig waren. Was bleibt? Achtsamkeit, dass sich so etwas nicht wiederholen darf. Wehret den Anfängen. Genau darum gibt es uns.

Stolperstein Lewin